Berufswahlvorbereitung

1. Übersicht

Die ADS hat im Jahr 1988 mit dem Aufbau eines Projekts zur Berufsorientierung begonnen. Im Verlauf vieler Jahre wurde dieses Projekt entwickelt, ausgebaut und immer weiter optimiert.
Zentrale Bestandteile unserer Berufs- und Studienberatung sind bei einer achtjährigen Schullaufbahn

  • ein zweiwöchiges Schülerbetriebspraktikum in Klasse 9
  • ein zweiwöchiges Schülerbetriebspraktikum in Klasse 10

Während das Praktikum in Klasse 9 den Schülerinnen und Schülern in der Regel eine allgemeine Orientierung vermittelt, bereitet das Praktikum in Klasse 10 bereits auf eine Entscheidung für die weitere Schul – und / oder Berufslaufbahn vor.

Die Praktika sind in einen umfassenden Katalog von Projekten eingebettet, die für die erforderliche Kontinuität im Prozess der Berufsfindung sorgen. Die folgende Übersicht zeigt diese Projekte (die mit * gekennzeichneten Projekte sind nicht für alle Schüler verpflichtend) in einer kurzen Zusammenfassung:

Klasse 8

Einführungsveranstaltung mit dem Beratungslehrer. Anlegen des Berufswahlpasses für die in den Klassen 8 bis 12 anfallenden Unterlagen (Übersicht Berufe, Selbst- und Fremdeinschätzungen, Auswertungen von Tests, Praktikumsbescheinigungen usw.)
Projekttag zur Berufsfindung

Klasse 9

Besuch der Messe „Forum Beruf“
Besuch des Berufsinformationszentrums der Arbeitsagentur
Training von Vorstellungsgesprächen
Kompetenzcheck in Kombination mit einem Training von Einstellungstests
zweiwöchiges Schülerbetriebspraktikum

Klasse 10

 

 

 

Kompetenzcheck in Kombination mit einem Berufseignungstest

zweiwöchiges Schülerbetriebspraktikum

 

 

 

Studien- und Berufsberatungen mit Eltern und ehemaligen Schülern

Beschreibung der Kompetenzanforderungen an Schulabgänger*

 

 

 

 

Studien- und Berufsberatungen in Betrieben*

 

Projektarbeiten mit Betrieben und Universitäten*

Klasse 11

 

 

Berufsberatung durch Berufsberater

Training Assessment Center*

duales Praktikum*

Klasse 12

 

 

Studienfeldbezogene Beratungstests*

Uni – Beratung*:

– die Hochschullandschaft

– Bachelor und Master

– NC, Wartezeiten

– Finanzierungsmöglichkeiten

 

Der folgende „Fahrplan“ zeigt, wie die Schülerinnen und Schüler auf der Grundlage dieser Bausteine eine begründete Entscheidung für ihre Berufswahl treffen können:

Fahrplan an der ADS

Fahrplan der Berufsberatung

 

2. Berufswahlvorbereitung in den Klassen 8 und 9

 

Die Berufswahlvorbereitung beginnt in Klasse 8 mit einem Projekttag. Auf der Grundlage von Unterlagen, die der Berufswahlpass zur Verfügung stellt, führen die Schüler eine Selbsteinschätzung durch, die anschließend von Mitschülern reflektiert wird. Die Ergebnisse fließen in Überlegungen ein, welche der Berufe, die in einer strukturierten vierseitigen Übersicht im Berufswahlpass vom Beratungslehrer zusammengestellt worden sind, in die nähere Auswahl kommen könnten. Eine vorläufige Bestätigung oder Korrektur dieser Überlegungen erfolgt anschließend in einem (kostenlosen) Internet – Berufsinteressentest.

In Klasse 9 wird erstmals ein Kompetenzcheck durchgeführt, mit dessen Hilfe geklärt werden soll, ob die geweckten Interessen aufgrund der Begabungen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler realistisch sind. Mit einem solchen Kompetenzcheck in Kombination mit einem Training von Einstellungstests ist seit 1998 die Firma Human Factor Services aus Schwelm beauftragt. Ihr Gründer und Geschäftsführer ist Herr Dipl. – Psych. Dr. Eckhard Bullheller, der solche Kompetenzchecks und Tests für die deutsche Wirtschaft entwickelt und durchführt. Die Schülerinnen und Schüler erhalten die Möglichkeit, Einstellungstests unter realen Bedingungen zu bearbeiten. Dies ist deshalb so wichtig, weil sich die Aufgabenformate erheblich von den Formaten normaler Klassenarbeiten, etwa in Deutsch oder Mathematik, unterscheiden. Das Training wird vormittags (1. – 6. Stunde) im Klassenverband durchgeführt. Jede Klasse wird von einem Diplom – Psychologen unter Leitung von Herrn Dr. Bullheller betreut. Die Teilnahme am Test ist kostenpflichtig, der Preis beträgt 10 € (sofern keine Fördermittel der Landesregierung eingesetzt werden können). In diesem Preis ist eine detaillierte schriftliche Auswertung der Testergebnisse eingeschlossen, die von Herrn Dr. Bullheller und seinen Mitarbeitern den Schülerinnen und Schülern persönlich erläutert werden. Leistungsstärken und solche Leistungsbereiche, die noch Entwicklungspotenziale aufweisen, werden beschrieben und informativ dargestellt. Dieses Feedback wird im Berufswahlpass aufbewahrt.

Auf der Grundlage der Ergebnisse von Interessentest und erstem Kompetenzcheck kann jetzt der zentrale Bestandteil der Berufswahlvorbereitung in der Sekundarstufe I in Angriff genommen werden: das Schülerbetriebspraktikum:

Manche Schüler haben vermutlich inzwischen auf der Grundlage der Ergebnisse dieser Tests schon etwas konkretere Berufsvorstellungen erarbeitet. Trotzdem sollen in diesem Praktikum noch keine Berufsentscheidungen für ein halbes oder sogar ganzes Leben getroffen werden; dazu ist es wirklich noch zu früh. Die Schüler sollen sich vielmehr erste Gedanken machen, wenn sie die Berufs- und Arbeitswelt kennen lernen und mit der sozialen Wirklichkeit vertraut gemacht werden. Aber auch wenn sich die Schüler zunächst nur erste Gedanken machen sollen: Sie werden sich nicht nur die Frage stellen müssen, in welchem Berufsbereich sie ihr Praktikum absolvieren möchten (diese Frage müsste für die meisten Schülerinnen und Schüler geklärt sein), sondern auch, in welchem Betrieb sie ihr Praktikum absolvieren möchten. Bei der Lösung der zweiten Frage helfen der Ausbildungsatlas der IHK (Industrie- und Handelskammer), die eigene Familie und der Beratungslehrer, der in jeder großen Pause als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Spezielle Regelungen für die Wahl des Praktikumsplatzes sind im Berufswahlpass vom Beratungslehrer zusammengestellt; dort finden sich auch die entscheidenden Paragraphen des Jugendarbeitsschutzgesetzes.

Das Praktikum ist in den Unterricht integriert; es wird vorbereitet, angeleitet und ausgewertet. Die Schüler werden an ihrem Praktikumsplatz von einem der in der Klasse unterrichtenden Fachlehrer besucht. Über das Praktikum wird ein ausführlicher Praktikumsbericht angefertigt; die Bewertung des Berichts wird in das Zeugnis des 2. Halbjahres der Klasse 9 übernommen. Am Ende des Praktikums erhalten die Schüler zwei vom Betrieb ausgestellte Praktikumsbescheinigungen. (Der Berufswahlpass enthält entsprechende Vordrucke.) Eine dieser Bescheinigungen wird im Berufswahlpass aufbewahrt.

Da sich zahlreiche Schülerinnen und Schüler beim Praktikumsbetrieb persönlich vorstellen müssen, führen wir vorab ein (kostenloses) Training von Vorstellungsgesprächen durch. Für dieses Training konnten wir die Solinger Wirtschaftsjunioren gewinnen. Um eine gewisse Distanz zur vertrauten Umgebung der ADS zu gewährleisten, stellt uns die Stadtsparkasse Solingen ihre Schulungsräume zur Verfügung.

 

3. Berufswahlvorbereitung in der Klasse 10

 

Die Berufswahlvorbereitung in Klasse 10 umfasst ein zweites Schülerbetriebspraktikum sowie Entscheidungshilfen für die Wahl des Praktikumsplatzes.

Die Entscheidung für die Wahl des Praktikumsplatzes in Klasse 10 soll auf eine solide Basis gestellt werden. Dazu führen wir seit 1996 zusammen mit dem geva – institut in München einen Berufseignungstest durch, in dem sowohl die Neigungen als auch die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler überprüft werden.

Ergänzend zu dem in Klasse 9 durchgeführten Kompetenzcheck sollen in diesem Test

  • Berufsinteressen entdeckt und weiterentwickelt
  • persönliche Neigungen richtig eingeschätzt
  • persönliche Stärken und Schwächen aufgedeckt

werden. In einer ausführlichen, mehr als 20 Seiten umfassenden Auswertung wird ein persönliches Leistungsprofil erstellt, auf dessen Grundlage ein berufliches Eignungsprofil erarbeitet wird. Dieses Eignungsprofil wird durch konkrete Berufsvorschläge vervollständigt.

Die Auswertung wird im Berufswahlpass aufbewahrt, und zwar unmittelbar hinter dem Feedback des Kompetenzchecks aus Klasse 9.

Die Teilnahme am Berufseignungstest ist kostenpflichtig, der Preis beträgt 20 € (sofern keine Fördermittel der Landesregierung eingesetzt werden können).

Aufbauend auf den Erkenntnissen des Berufseignungstests führen die Schülerinnen und Schüler ein zweites Schülerbetriebspraktikum durch. Hier wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geboten, ein Praktikum zu absolvieren, das den eigenen, inzwischen erarbeiteten Berufsvorstellungen entgegenkommt. So können

  • Neigung und Eignung für bestimmte Tätigkeiten zutreffender eingeschätzt
  • die bis zu diesem Zeitpunkt entwickelten Berufsvorstellungen besser beurteilt
  • ggf. Alternativen entwickelt

werden.

Bei der Wahl des Praktikumsplatzes müssen sich die Schülerinnen und Schüler, den geforderten Zielen entsprechend, über die persönlichen Wünsche und Möglichkeiten Klarheit verschaffen. Hier helfen insb. der Beratungslehrer, die vom Beratungslehrer zur Verfügung gestellte Literatur sowie Internet – Seiten der Arbeitsagentur.

Die Ziele des Praktikums haben die Konsequenz, dass nicht alle Schülerinnen und Schüler ihren Praktikumsplatz in Solingen finden. Bzgl. der Wahl des Praktikumsplatzes werden jedoch keine Hürden aufgebaut.

Die Regelungen für die Wahl des Praktikumsplatzes werden, wie beim Praktikum in Klasse 9, im Berufswahlpass beschrieben.

Am Ende des Praktikums erhalten die Schüler wieder zwei vom Betrieb ausgestellte Praktikumsbescheinigungen. (Der Berufswahlpass enthält entsprechende Vordrucke.) Eine dieser Bescheinigungen wird im Berufswahlpass aufbewahrt.

4. Berufswahlvorbereitung in den Klassen 11 und 12

Auf der Grundlage der Berufswahlvorbereitung in den Klassen 9 und 10, insb. auf der Grundlage der beiden durchgeführten Schülerbetriebspraktika, dürften die meisten Schülerinnen und Schüler zu Beginn von Klasse 11 eine grundsätzliche Entscheidung über die Berufs- und Studienwahl getroffen haben. Das Ziel der Berufswahlvorbereitung in den Klassen 11 und 12 besteht folglich darin, diese grundsätzliche Entscheidung zu verfeinern, um eine konkrete Entscheidung für eine bestimmte Ausbildung oder ein bestimmtes Studium treffen zu können.

Zu diesem Zweck informiert der Berater der Arbeitsagentur in Klasse 11 über Alternativen und Vorgehensweisen nach dem Abitur (allgemeine Thematik) sowie spezielle Aspekte der Berufswahl nach dem Abitur (berufsspezifische Thematik). Diese Informationen werden durch studienfeldbezogene Beratungstests der Arbeitsagentur in Klasse 12 ergänzt.

Zusätzlich zu diesen theoretischen Ausführungen des Beraters der Arbeitsagentur können Informationen und Empfehlungen aus der Sicht von Personen eingeholt werden, die in bestimmten Berufen praktisch tätig sind. Gemäß der Philosophie der ADS sind diese Personen entweder Eltern von Schülern oder ehemalige Schüler. Diese praktische Beratung ergänzt sinnvoll die theoretische Beratung des Beraters der Arbeitsagentur. (Auf Wunsch wird eine solche Beratung auch schon Schülern aus Klasse 10 zugänglich sein.)

Darüber hinaus vermitteln Personalmanager Einblicke in die heute von Unternehmen geforderten zentralen Kompetenzen von Bewerbern. Dazu zählen

  • fachliche Kompetenzen:
    grundlegende Beherrschung der deutschen und der englischen Sprache
    Grundkenntnisse in Mathematik, Naturwissenschaften und IT
    Grundkenntnisse wirtschaftlicher Zusammenhänge
    Kenntnisse und Verständnis für die Grundlagen unserer Kultur
  • soziale Kompetenzen:
    Kooperationsbereitschaft
    Höflichkeit
    Konfliktfähigkeit
    Toleranz
  • persönliche Kompetenzen:
    Zuverlässigkeit, Sorgfalt
    Lern- und Leistungsbereitschaft
    Durchhaltevermögen, Belastbarkeit

Die Beratungen werden abgeschlossen durch eine Uni – Beratung, die Themen wie Hochschullandschaft (auch im Ausland), Abschlüsse Bachelor und Master, NC, Wartezeiten und Finanzierungsmöglichkeiten umfasst.

Ferner wird den Schülerinnen und Schülern eine (kostenlose) Teilnahme an einem Assessment Center (AC) angeboten. Ein AC ist ein spezielles Auswahlverfahren, das in der Praxis in immer stärkerem Ausmaß bei Einstellungen von Bewerbern angewendet wird. Es umfasst u.a. einen etwa fünfminütigen, vorbereiteten Vortrag, der das Ziel hat, eine für ein Produkt (Ware oder Dienstleistung) verkaufswirksame Präsentation durchzuführen, sowie ein Rollenspiel und eine Gruppendiskussion. Beobachtungs- und Beurteilungskriterien sind dabei u.a. die Art des Auftretens, das Ausdrucksvermögen, Einfühlungsfähigkeit, Konfliktfähigkeit und auch zielorientiertes Handeln.

Über die Zusammenarbeit mit Betrieben und Universitäten informiert ein eigener Abschnitt in den von uns zur Verfügung gestellten Unterlagen.